FewDaysOff Empfehlungspunkte
(7/10)

Wer sich für einen Abstecher nach Cienfuegos entschieden hat und ungewöhnlichen Urlaubserlebnissen jenseits der Normen nicht abgeneigt ist, dem sei an dieser Stelle noch ein ganz besonderes Schmankerl ans Herz gelegt. Denn 30 km außerhalb von Cienfuegos liegt das Planta Nuclear de Juraguá, ein in den 80er Jahren errichtetes und Atomkraftwerk, welches jedoch nie komplett fertig gestellt und daher nie in Betrieb genommen wurde.

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Planta Nuclear de Juraguá

Bereits in den späten 1970er Jahren beginnt die Geschichte dieses gescheiterten Großprojekts, als Kuba und die Sowjetunion 1976 einen Vertrag über den Bau eines 440-Megawatt-Kernreaktors in der Provinz Cienfuegos abgeschlossen haben. In der Nähe des designierten Standortes wurde eine Fachoberschule zur Ausbildung der späteren Kraftwerksmitarbeiter errichtet und an der Universität in Havanna wurde gar eine Fakultät für Nuklearwissenschaften gegründet. Als 1982 mit dem Bau des Atomkraftwerkes begonnen wurde, war der Plan den ersten Reaktor anno 1993 in Betrieb zu nehmen. Jedoch kam mit dem Zerfall der Sowjetunion auch der Bau des Kraftwerks zum Erliegen, da Kuba ohne die Förderung der UdSSR nicht mehr in der Lage war, den weiteren Bau zu finanzieren. So wurde der Bau 1992 unterbrochen, bis im Jahre 2000 die endgültige Einstellung des Atomkraftwerksprojekts verkündet wurde. So ist die Ruine des Kraftwerks seit 2000 nun dem allmählichen Verfall und der Kraft der Natur überlassen.

Atomkraftwerk Juraguá – ein für Touristen unbeschriebenes Blatt

Als wir Carlos, dem Besitzer unseres Casas in Cienfuegos, von unserem Plan erzählt haben, gerne einen Abstecher zu dem AKW zu machen, hat er uns zunächst etwas komisch beäugt, aber war dann recht schnell angetan von unserem Vorhaben. In all den Jahren, in der er das Casa betreibt, habe noch nie ein Gast nach dem AKW gefragt, hat er uns erzählt. Ein bisschen stolz hat uns das schon gemacht, zugegebenermaßen auf eine fragwürdige Art und Weise.

Aber recht schnell haben wir bemerkt, dass wir bei Carlos genau an der richtigen Adresse gelandet sind. Mit großer Begeisterung fing er an zu erzählen, dass er sich noch gut daran erinnern kann, als das AKW gebaut wurde. Ostdeutsche und sowjetische Ingenieure waren damals an der Konstruktion und dem Bau beteiligt. Und mit großer Freude hat uns Carlos berichtet, wie er bei der großen staatlichen Feier nahe der Baustelle des Kraftwerks live dabei war, bei welcher kein geringerer als Fidel Castro persönlich zu gegen war und eine Rede gehalten hatte. Mit großem Stolz und einem Funkeln in seinen Augen hat uns Carlos berichtet, dass er damals nur 70 Meter von Fidel Castro entfernt stand, ein Erlebnis, welches er wohl nie vergessen werde.

Kurzerhand hat uns Carlos dann einen Taxifahrer organisiert, der uns zum AKW fahren sollte. Und gesagt, getan. So waren wir eine gute halbe Stunde später auf dem Weg Richtung Kernkraftwerk. Schon von weitem konnte man die Silhouette des Kraftwerks am Horizont erkennen. Eine gigantische Kuppel aus Beton, die inmitten der ausgedehnten Graslandschaft einsam und verlassen über der Natur thront.

Eine entlegene Straße mitten durch mannshohes Gras führt immer näher an das Kraftwerk heran. Bis dann kurz vor dem Ziel Schluss war. Ein kleiner Wachposten wenige hundert Meter vor dem AKW ist der nächste Punkt, bis zu welchem man sich dem Kraftwerk nähern kann.

Zwei Sicherheitsbeamten waren sofort zur Stelle als wir uns ihnen genähert haben und haben uns aufgefordert umzudrehen und das Gelände umgehend wieder zu verlassen. Und es sei untersagt, Fotos von dem Gelände und dem Kraftwerk zu machen.

Die Sicherheitsbeamten, deren Aufgabe es wohl zu sein scheint ein unbemanntes verlassenes Kraftwerk mitten im nirgendwo zu bewachen, dürften wohl die meiste Zeit eher eine ruhiger Kugel schieben. An Überarbeitung dürfte hier wohl noch niemand gestorben sein und Burn-out gefährdet sind uns die beiden Kameraden auch nicht gerade vorgekommen.

Doch etwas eingeschüchtert ob der Autorität der Sicherheitskräfte haben wir den Anweisungen dann doch Folge geleistet und sind wieder umgekehrt. Nicht dass wir am Ende noch in Guantanamo oder an einem anderen Ort enden, an dem niemand jemals wieder was von uns hören wird. Aber wir haben es uns zumindest nicht nehmen lassen, außerhalb der Sichtweite der Sicherheitsleute zumindest aus der Ferne das ein oder andere Foto des Kraftwerks zu machen. Auch unser Taxifahrer ließ sich das nicht nehmen und hat ebenfalls fleißig Fotos gemacht. Nicht nur für uns, auch für ihn war es das erste Mal, dass er hier war, haben wir später herausgefunden. Da hat er seiner Familie später am Abendbrottisch bestimmt eine spannende Geschichte erzählen können auf die Frage hin, wie sein Arbeitstag denn so war …

Auch wenn wir nicht wirklich nah an das Kraftwerk herangekommen sind und unser Ausflug daher früher als erhofft zu Ende war, war dieser Abstecher ein mehr als lohnenswerter Trip. Viñales, Havanna, Trinidad…das macht ja irgendwie jeder, der nach Kuba reist. Aber nur die wenigsten kehren mit einem Selfie vor einem Kernkraftwerk zurück. Wer also eine einzigartige Urlaubserfahrung möchte, die so nur die wenigsten erleben, der ist hier genau goldrichtig.

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