Wenn man über Jordanien nachdenkt, dürfte den allermeisten wohl sofort der Begriff „Felsenstadt Petra“ in den Kopf schießen. Doch das Land hat viel mehr zu bieten – unter anderem das Naturschutzgebiet Wadi Rum. Ein Geheimtipp ist Wadi Rum bestimmt nicht mehr. Trotzdem kann man in diesem riesigen Naturschutzgebiet in Abgeschiedenheit von der Zivilisation eine wunderschöne Zeit verbringen und die herrliche rötliche Wüstenlandschaft genießen.

Man könnte nun glauben, dass sich seit Jahren eine große Hotellandschaft angesiedelt hat und Touristen Tag für Tag in die Wüste karrt. Das ist Gott sei Dank nicht der Fall. Wadi Rum gehört auch deshalb zum UNESCO Weltkulturerbe, weil die Beduinen, die seit Jahrhunderten in dieser meist kargen Wüste leben, nachhaltig und sanft wirtschaften. Sie haben mit der Regierung den Deal, dass nur sie das Land mit Touristen besuchen dürfen und auch kein Land an Fremde verkaufen dürfen. Eine wunderbare Erkenntnis, wenn man den weltweiten Ausverkauf von Stränden und schönen Landstrichen an Investoren ansieht. Die Beduinen können gut von dem Geld leben. Es gibt keinen Massentourismus, keine großen Hotelketten, keine großen Einzelhotels. In der Wüste selbst gibt es nur kleine Zeltlager.
Der Eintritt in Wadi Rum kostet nur 5 JD, ist aber im Jordan Pass enthalten.

Wadi Rum Village – Start in die Wüste

Wadi Rum Village ist der einzige Zugang zum gesamten Naturschutzgebiet. Nur hierhin führt eine befestigte Straße. Bei Google Maps ist das gesamte Gebiet grün eingezeichnet. Jeder Besucher wird also hier kontrolliert, bevor er überhaupt in das kleine Dorf einreisen darf. Dazu zählt eine Passkontrolle und das Vorzeigen der Buchungsbestätigung vom Beduinencamp. Wer mit dem eigenen Mietwagen anreist, der muss diesen auf dem öffentlichen Parkplatz kurz vor dem Dorf parken und wird dann vom Zeltlagerbetreiber abgeholt.

Wadi Rum Village befindet sich am nördlichsten Teil Wadi Rums und ist bereits Teil des Naturschutzgebiets. Hier gibt es auch kleine Supermärkte, Restaurants und das letzte mal vor der Wüste Mobilfunkempfang. Wer noch nicht direkt am ersten Tag in die Wüste fährt, findet hier auch Übernachtungsmöglichkeiten.
Vom Betreiber des Beduinencamps erhält man in einem gut klimatisierten Raum ein kurzes Briefing über die Geschichte Wadi Rums, den Ablauf der Tour und die Verhaltensregeln. Gastfreundschaft wird wie so oft in der arabischen Welt groß geschrieben. Man erhält den obligatorischen Tee und einen kleinen Snack, bevor es zum Wüstencamp geht.

Die Fahrt zum Beduinencamp in Wadi Rum

Die Fahrten in der Wüste finden grundsätzlich in Freiluft-Jeeps statt. So kann man die wunderschöne Wüstenlandschaft am besten erleben. Freiluft heißt aber auch, dass der Fahrtwind je nach Jahreszeit auch mal frisch sein kann. Lange Kleidung ist deshalb – und auch wegen der Temperaturen bei Nacht – nur empfehlenswert.

Es kommt nun ganz darauf an, zu welcher Uhrzeit ihr anreist und wo euer Beduinencamp in Wadi Rum liegt. Ist es spätnachmittags, kann es sein dass ihr direkt zum Zeltlager fahrt und erst am nächsten Tag die Tour macht. Kommt ihr noch vor Mittag an, findet die Wüstentour meistens sofort statt und im Anschluss werdet ihr ins Wüstencamp gefahren.

Highlights in Wadi Rum

Grundsätzlich weiß die gesamte Landschaft im Naturschutzgebiet zu überzeugen. Schroffe, teils tiefrote Sandstein- oder Granitfelsen wechseln sich mit Sanddünen, kargen Landschaften und interessanten Gesteinsformationen ab. Wer Wüstenlandschaften wie wir liebt, wird in Wadi Rum voll auf seine Kosten kommen. Nur selten trifft man auf den weiten Wegen auf ein paar andere Jeeps. Nur an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten kann es vorkommen, dass ein paar Jeeps gleichzeitig dort parken und man Anderen begegnet.

Wir buchten eine 4-stündige Tour bei unserem Anbieter „Wadi Rum Starlight Camp“ (mehr dazu weiter unten) und durften folgendes entdecken:

  • Wasserquelle „Lawrence Spring“: Wir starteten unseren Trip an einem felsigen, teils steilen Berghang. Dort entspringen Wasserquellen, von denen zu unserer Reisezeit jedoch nur ein ganz kleines Rinnsal zu erahnen war. Trotzdem hatte man von oben einen tollen Ausblick auf die Wüste. Die Quelle ist nach Lawrence von Arabien, einem bekannten Archäologen und Schriftsteller benannt.
    Wadi Rum Ausblick
  • Felsenbrücke „Burda“: Eine kleine naturgeschaffene Brücke. Man muss zunächst einen kleinen Hügel hinaufklettern und kann dann über den Bogen gehen. Tolles Fotomotiv!
    Felsenbrücke Burda in Wadi Rum
  • 4000 Jahre alte Felszeichnungen „Anfishieh“: In den Granit eingeritzte Kamele und andere Formen. Naja, nicht besonders prickelnd, aber kann man mal mitnehmen.
  • Chicken with Egg (Huhn mit Ei): Eine durch Wind und Wetter geschaffene, freistehende Skulptur, die mit etwas Fantasie aussieht wie ein Huhn, das ein Ei legt.
    Huhn mit Ei
  • Khazali Schlucht / Canyon: Dies ist unserer Meinung nach das größte Highlight auf der Tour. In einem engen Canyon hat sich Sand angesammelt. Man kann in der Schlucht wenige hundert Meter entlang gehen. Auf beiden Seiten türmt sich der rötlich schimmernde Sandstein auf. Mitten im Canyon blühen Sträucher, Bäume und Gräser. Erneut sind wir glücklich, dass wir Mitte März als Reisezeit gewählt haben. Nur wenige Wochen später und alles wäre wieder vertrocknet und karg. Am Ende wartet unser Beduinenführer mit Tee auf uns, bevor es weiter geht.
    Wadi Rum blühende bäume
  • Rote Sanddünen: Im Wadi Rum gibt es mehrere tiefrote Sanddünen. Auf einer kleineren, steilen Düne dürften wir „Snowboarden“ oder besser gesagt „Sandboarden“. Eine größere, flache Düne bot einen wunderschönen Ausblick auf die Wüste, so weit das Auge reichte.
    Rote Sanddünen in Wadi Rum
  • „Steinmännchen“: Leider haben wir den Namen dieses Programmpunktes vergessen. Auf einer Anhöhe finden sich schroffe, leicht zerbrechliche und flache Steine, die sich wunderschön zu Steinmännchen stapeln lassen. So entstand dieses wunderschöne Bild:
    Wadi Rum

Je nach Länge der gebuchten Tour können noch andere Sehenswürdigkeiten dazukommen oder wegfallen. Auch die Lage des Camps kann darüber entscheiden, welche Sehenswürdigkeiten angesteuert werden. Ihr solltet euch deshalb genau bei eurem Touranbieter erkundigen, welche Programmpunkte beispielsweise bei einer 3-, 4-, oder 5-stündigen Tour dabei sind. Trotz dieser schönen Highlights auf der Tour ist das eigentliche Highlight die rötlich schimmernde Wüste selbst.

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FAQs zu Wadi Rum

Wie kommt man am besten nach Wadi Rum?
  • von Akaba: 1 Stunde Fahrtzeit, 70 km
  • von Amman: 4 Stunden Fahrtzeit, 320 km
  • vom Toten Meer: 4,15 Stunden, 313 km

Am gemütlichsten ist die Anreise mit dem eigenen Mietwagen, da man völlig flexibel ist und auch unterwegs einfach anhalten kann, wenn man etwas Interessantes sieht.

Welches Wadi Rum Camp ist das Beste?

Grundsätzlich ist Vorsicht geboten: Windige Anbieter bieten günstige Übernachtungen außerhalb des eigentlichen Naturschutzgebietes an. Manchmal erdreisten sich diese auch, ihre Camps auf Google Maps mitten im Naturschutzgebiet einzuzeichnen. Es ist jedoch wie oben erwähnt nur einheimische Beduinen mit offizieller Lizenz erlaubt, Camps in der Wüste zu eröffnen. Und nur diese dürfen geführte Touren anbieten.

So erklärt sich meist der große Preisunterschied zwischen unseriösen Anbietern und den tatsächlichen Camps im Wadi Rum Naturschutzgebiet. Wir haben beim Starlight Camp (keine Werbung, wir erhalten für die Erwähnung kein Geld) gebucht und waren rundum zufrieden.

Wie gut sind die Beduinencamps (Zeltlager) in Wadi Rum ausgestattet?

Die Camps unterscheiden sich stark von der Ausstattung und folglich auch im Preis. Im günstigsten Fall übernachtet man auf Feldbetten. Wasser gibt es in allen Camps, Warmwasser in so gut wie keinem. Das liegt daran, dass die kleinen Solarzellen der Camps meist nur genug Energie für den Strom erzeugen können.

Im Starlight Camp kann man zwischen „Normal Bedouin Tent“ (30 JD x 2 für ein Zwei-Mann-Zelt, 45 JD für ein Ein-Mann-Zelt) oder dem „Full star tent with private bathroom“ wählen. Wir wählten zweiteres, da diese nicht nur gemütlichere Betten, sondern auch einen viel schöneren Ausblick durch das „Fenster“ auf die Wüste ermöglichten. Auch ein eigenes WC und eine kleine Dusche zählen zu den Annehmlichkeiten. Bei ersterer Variante gäbe es ein Gemeinschaftsbad und WC. Egal welche Variante ihr wählt: Das Wasser ist eiskalt.

Jedes Bett verfügt über 5 warme Decken. Bei unserer Ankunft hatte es 25°C und wir schauten uns fragend an, was das solle. Bei 5°C in der Nacht und logischerweise ungedämmten Zelten wussten wir jede einzelne von Ihnen zu schätzen.
Das Camp verfügt über ein großes, gemütliches Gemeinschaftszelt mit kleinen Tischen, in dem gemeinsam gegessen wird. Die Zeitfenster für die Essen sind recht eng gesteckt, da die Jeeps immer zu den gleichen Zeiten losfahren.

Beduinencamp in Wadi Rum

Starlight Camp Zelt

Was gibt es in den Beduinencamps zu essen?

Zum Frühstück gibt es Fladenbrot, Hummus und ein paar Kleinigkeiten wie Ei. Zum Mittagessen können wir mangels Erfahrung nichts sagen, da wir morgens abreisten.

Das Buffet zum Abendessen ist wirklich wunderbar. Vor dem Essen versammeln sich alle Zeltbewohner vor dem großen Zelt am Erdofen. Der Beduinen-Guide erklärt uns, wie er vor mehreren Stunden einen riesigen Pottich voll mit Hühnchen und Gemüse mit Grillkohlen eingegraben hat und dieser das Essen langsam gegahrt hat. Folglich ist das hervorragend gewürzte Essen unglaublich zart und ein wirklicher Hochgenuss. Dazu gibt es auch noch Reis und Kartoffeln. Bei ein paar Snacks oder einer Shisha ist nach dem Essen noch ein gemütliches Beisammensein. Der kleine Ofen beheizt das Zelt notdürftig.

Welche Wüstentour in Wadi Rum ist die beste?

Wir empfehlen sehr, Beduinencamp und Tour gemeinsam zu buchen, damit man sich in der Wüste um nichts mehr kümmern muss. WLAN / Mobilfunk gibt es nämlich in den wenigsten Camps.
Im Grunde bieten ohnehin alle richtigen Wüstencamps in Wadi Rum die Touren an.

Was kann man sonst noch in Wadi Rum unternehmen?
  • Ballonfahren
  • Flugsport mit Leichtflugzeugen oder Kleinflugzeugen
  • das übliche Tourizeug wie Kamelreiten
Kann man Wadi Rum auf eigene Faust erkunden?

Eine eigene Erkundung ist weder erlaubt, noch empfehlenswert. In der weiten Wüste könnte man sich schnell verfahren oder auch eine Panne haben. Wir wüssten aber ehrlich gesagt nicht, wie man selbst reinfahren könnte, denn am Parkplatz in Wadi Rum Village ist für alle eigenen PKW Endstation.

Welche Reisezeit ist die beste für eine Wadi Rum Tour?

Regen fällt das ganze Jahr keiner, aber aufgrund der Temperaturen würden wir die Monate März-Mai und September-November (25-32°C Tagestemperatur) empfehlen. Mit dem kühlen Fahrtwind sind die Temperaturen sehr angenehm.
Besonders schön ist März, hier blühen sogar Blumen in der Wüste und im Canyon die Bäume und Büsche.
Die Sommermonate sind den meisten wohl zu heiß, die Wintermonate zu kalt.

Welche Tiere kann man in der roten Wüste sehen?
  • wildlebende Kamele
  • Schlangen
  • Echsen
  • Skorpione
  • theoretisch auch Wüstenfüchse, Wildhunde, Hasen und Oryx. Diese sind aber extrem selten.

Kamel

Welche Kleidung sollte man tragen?

Luftige sommerliche Kleidung, gut eincremen. Für die Nacht warme, lange Kleidung mitnehmen.

Wie kalt wird es nachts in Wadi Rum?

Teilweise 5°C, eiskalt. Das Camp versorgt einen wie oben beschrieben mit zahlreichen Decken im Bett.

Abschließend lässt sich sagen, dass Wadi Rum ein wahres Highlight in Jordanien ist. Die komplette Tour ist ein einziges Highlight. Neben Petra gehört dieses Ziel zum absoluten Pflichtprogramm eines jeden Jordanien-Urlaubes.

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