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Zu Besuch bei den Tarsier auf Bohol, Philippinen

Eine der Hauptattraktionen auf Bohol sind zweifelsohne die Tarsier. Ein Tarsier (zu deutsch „Koboldmaki“) ist der kleinste Affe der Welt. Obwohl die philippinischen Tarsier noch zu den größeren Koboldmakivertretern gehören, sind sie mit niedlichen 12-16 Zentimetern Kopfrumpflänge tatsächlich winzig. In diesem Artikel lest ihr alles über die philippinischen Tarsier und wo ihr sie am einfachsten ansehen könnt.

Über den philippinischen Tarsier

Die Philippinen-Koboldmakis sind vor allem auf den Inseln Samar, Leyte und Bohol heimisch. Der Lebensraum der nachtaktiven Affen ist fast ausschließlich in Regenwäldern. Im Gegensatz zu den meisten anderen Affenarten, die Allesfresser sind, ernähren sich Tarsier ausschließlich von Insekten, Echsen und Vögeln. Charakteristisch sind neben dem unbehaarten, rattenähnlichen Schwanz die großen, niedlichen Augen, die es den Tieren ermöglichen, nachts besser zu sehen. Der Kopf ist 180 Grad drehbar und ermöglicht einen perfekten Rundumblick. Tarsier werden maximal 160 Gramm schwer und können in menschlicher Obhut bis zu 13 Jahre alt werden.

Wer die Tarsier tagsüber friedlich und bewegungslos an Bäumen geklammert sieht, vermutet nicht, wie beweglich diese Affen sind. Wegen ihrer überproportional großen Hinterbeine können die Tiere bis zu 5 Meter weit springen – bemerkenswert für ein Tier, das gerade mal so groß wie eine menschliche Hand ist.

Aufgrund der ganzjährig hohen Temperaturen kann sich der Koboldmaki das ganze Jahr über fortpflanzen. Zumeist bringt das Weibchen nach 180 Tagen Tragzeit ein einziges Junge zur Welt. Es hat seine Augen bei der Geburt bereits geöffnet. Schon nach etwa 2 Wochen unternimmt das Kleine erste Sprungversuche und Jagdversuche. Nach etwa 3 Monaten geht es eigene Wege.
Die philippinischen Tarsier gelten als leicht gefährdete Art, sind aber nicht vom Aussterben bedroht. Dies ist vor allem den extrem strengen Artenschutzbestimmungen auf den Philippinen zu verdanken. In großen Schutzarealen mit Zäunen werden die kleinsten Affen der Welt vor streunenden Katzen, Greifvögeln und Schlangen geschützt.

Tarsier Koboldmakis auf Bohol

Artenschutz und Tourismus

Die strengen Gesetze auf den Philippinen verbieten das Einfangen, Handeln oder gar Töten der sensiblen Tiere. Auch das Stören in ihrem natürlichen Lebensraum ist verboten. Ganz ohne Hintergedanken wird dieser Aufwand jedoch nicht betrieben. Die Philippinen sind bekanntermaßen ein armes Land, das dringend auf Geld von Touristen angewiesen ist. Längst hat man erkannt, dass die putzigen, fotogenen Tiere sehr gut bei Touristen ankommen und der Erhalt dieser Art deshalb lohnenswert ist.

Der Tourismus ist für die Tarsier also Fluch und Segen zugleich. Wie bereits erwähnt sind philippinischen Tarsier eigentlich nachtaktiv und schlafen tagsüber geschützt in Bäumen. Ein schlafender, gut versteckter Koboldmaki, der irgendwo in 10 Metern Entfernung nur mit dem Fernglas zu sehen ist, ist aber für zahlende Touristen nur wenig zufriedenstellend. Deshalb wurden Gebiete eingerichtet, in denen die Tarsier an Stellen in Bäumen gesetzt werden, wo sie für Touristen leicht zu sehen sind. Die hochsensiblen Tiere registrieren die Touristen sofort. Doch eine Kombination aus Müdigkeit und Angst macht es ihnen nicht möglich, zu fliehen. Toll für die Touristen, die (womöglich sogar noch mit Blitzlicht) Fotos machen möchten. Für die Tiere bedeutet das Stress…

Auf der anderen Seite können dank der Touristengelder große Schutzareale für sie eingerichtet werden mit hohen Zäunen, die vor Fressfeinden schützen. Die Tarsier können die Zäune hochklettern und nachts zur Jagd sogar das Schutzgebiet verlassen. Tagsüber kehren sie tatsächlich freiwillig wieder zurück. Die Maßnahmen kommen also gut an bei den Tieren. Die Philippinos haben auch auf die Kritik der Tierquälerei reagiert. Noch vor einigen Jahren konnte man vereinzelt noch Tarsier auf den Arm nehmen zum Fotos machen. Das ist mittlerweile streng verboten und wird an allen gängigen Touristenhotspots nicht mehr gemacht. Die Tarsier sitzen mindestens 3 Meter entfernt von den Touristenpfaden auf Bäumen. Zusätzlich befinden sich dort zahlreiche Aufpasser, die darauf hinweisen, leise zu sein. Sie zeigen euch auch, wo die kleinen Affen gerade sitzen. Natürlich ist das immer noch nicht 100% artgerecht, aber ein deutlich verbesserter Kompromiss für den Tierschutz.

Wo kann man auf Bohol Tarsier ansehen?

Es gibt zwei bekannte Orte, wo das für Touristen einfach möglich ist:

  • Philippine Tarsier Sanctuary (etwa 15 km nordöstlich von Tagbilaran)
  • Tarsier Conservation Area (etwa 40 km östlich von Tagbilaran)

Philippine Tarsier Sanctuary

Tarsier Conservation Area

Wer auf Bohol die typische Touristenroute „Bohol Countryside Tour“ (bestehend aus Tarsier, Chocolate Hills, Man Made Forest, Loboc River Cruise und Zipline) bucht, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Tarsier Conservation Area landen. Hierbei handelt es sich um oben beschriebenes Schutzgebiet mit Zäunen, von dem ein kleiner Teil für Touristen geöffnet ist.

Tarsier Conservation Area

Tipps und Hinweise

  • Verhaltet euch leise und flüstert nur.
  • Bewegt euch nur auf den ausgewiesenen Wegen.
  • Achtet auf die Hinweise der Guides, wo die Kobolde gerade sind.
  • Nehmt euch ein gutes Zoomobjektiv mit, sonst wird es schwierig, die Tarsier zu fotografieren.
  • Schaltet unbedingt euren Blitz bei der Kamera aus! Wenn ihr einen Aufsteckblitz habt, steckt ihn ab und lasst ihn in der Kameratasche. Blitzlicht ist purer Stress für die nachtaktiven Tiere.
  • Falls möglich, schaltet auch das automatische Fokussieren aus, da dies bei den meisten Kameras einen Piepton erzeugt.

Von anderen Touren von kleinen, häufig verdeckt arbeitenden Einzelpersonen raten wir dringend ab. Die nehmen einen oft zu Bekannten oder zu sich privat nach Hause mit. Dort halten sie in kleinen Käfigen die armen Koboldmakis und nehmen sie zum Fotos machen aus den Käfigen. Das ist pure Tierquälerei. Tarsier in Gefangenschaft werden häufig nicht älter als 2 Jahre. Mittlerweile sind diese Anbieter aber fast vollständig von der Bildfläche verschwunden, weil ihnen hohe Strafen drohen.

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